Was macht Antidiskriminierungsberatung?

Im Zentrum der Antidiskriminierungsberatung steht die Unterstützung und Begleitung von Betroffenen in konkreten Diskriminierungsfällen. Aber auch fallübergreifende/ strukturbezogene Arbeit, Vernetzung und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und von Regelstrukturen gehört zu den Tätigkeitsbereichen.

 

Einzelfallberatung (ca.60 Prozent)

  1. Kontakt und Erstgespräch: Den Einstieg in die Beratung stellen die Kontaktaufnahme  durch Klient_innen und eine erste Klärung des Rahmens dar.

  2. Sprechen im geschützten Raum: Im Rahmen der Beratung finden Klient_innen zunächst einen Raum, um Diskriminierungserfahrungen in Sprache zu bringen. Dieser Raum ist geschützt - Wahrnehmungen werden nicht in Frage gestellt, (widersprüchliche) Gefühle bekommen Platz und Wertschätzung, die Klient_innen entscheiden frei, ob und wie sie handeln wollen.

  3. Auftragsklärung und Fallsondierung: Besteht der Wunsch nach weitergehender Unterstützung wird im Dialog anschließend der Beratungsauftrag geklärt, Abläufe rekonstruiert sowie Fakten und Indizien gesichert. Danach wird gemeinsam mit den Klient_innen das weitere Vorgehen vereinbart.

  4. Recherche und Entwicklung einer Handlungsstrategie: Oftmals folgt eine Zeit intensiver Recherchen (rechtlich, strukturell) und gegebenenfalls ein erste Kontaktaufnahme mit der, für die Diskriminierung verantwortlichen Seite. Danach werden die Ergebnisse mit den Klient_innen zusammengetragen und eine, in der Regel mehrstufige Strategie entwickelt, die sowohl die Erwartungen und Zielvorstellungen der Klient_innen als auch die Kompetenzen und Ressourcen der Beratungsstelle berücksichtigt.

  5. Umsetzung und Aktualisierung der Handlungsstrategie: Anschließend wird die Strategie umgesetzt. Gerade bei mehrstufigen und längeren Prozessen ist zusätzlich eine kontinuierlich Refelexion und Anpassung nötig (Stimmt das Vorgehen noch für Sie? Was machen Sie mit den (vorläufigen) Ergebnissen?).

  6. Abschluss und Dokumentation: Den Abschluss bildet ein Reflektionsgespräch mit den Klient_innen und die Dokumentation in der Fallstatistik. Diese dient der Qualitätskontrolle und der Beschreibung allgemeiner Trends und fallübergreifender Strukturen.

fallübergreifende Arbeit (ca.20 Prozent)

Aus der Einzelfallarbeit ergeben sich Erkenntnisse über systematische Formen von Diskriminierung in konkreten Lebensbereichen, etwa dass die Praxis diskriminierender Einlass-kontrollen in verschiedenen Clubs vergleichbar ist oder dass Benachteiligungen beim Zugang zu Wohnraum bei verschiedenen Anbietern auftreten oder dass Menschen mit einer Duldung kein Konto eröffnen können (Aktuelle Beispiele aus der Arbeit der Mitgliedsorganisationen des advd). Diese Probleme werden aufgegriffen und in einer Kombination von vertiefter Problembeschreibung (zum Beispiel durch Testings und Interviews) und der Entwicklung und Umsetzung von strukturellen Interventionen (z.B. Konzept zur Umsetzung diskriminierungsfreier Einlasskontrollen, Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit, Runder Tisch „Wohnen“, Fachtage oder Schulungskonzepte) begleitet.

Allgemeine Vernetzungs- und Sensibilisierungsarbeit (ca.20 Prozent)

Die hierunter zusammengefassten Tätigkeiten dienen dazu, die Kooperation mit anderen regionalen Akteur_innen zu fördern, Verweisberatungsstrukturen zu stärken und (Anti)Diskriminierung als wichtiges Querschnittsthema in verschiedenen Lebensbereichen zu verankern.

Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk

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