Was ist Antidiskriminierungsberatung?

Antidiskriminierungsberatung ist ein qualifiziertes Unterstützungsangebot für Betroffene von Diskriminierung. Ausgehend von der konkreten Einzelfallarbeit umfasst der Ansatz auch die Arbeit an strukturellen Formen von Diskriminierung und die Arbeit als Fachstelle für Organisationen und Multiplikator_innen mit Diskriminierung als Querschnittsthema.

  • Qualifiziertes Unterstützungsangebot für Betroffene: Empowerment und Durchsetzung von Rechten

Antidiskriminierungsberatung ist ein Unterstützungsangebot für Betroffene von Diskriminierung.

Auf der Grundlage fachlicher Standards bietet es einen geschützten Raum zur Bearbeitung von Diskriminierungserfahrungen und begleitet Ratsuchende bei konkreten Schritten zur Einforderung ihres Rechts auf Gleichbehandlung und Respekt. Dabei werden psycho-soziale, rechtliche,  politische und sozialwissenschaftliche Aspekte einbezogen.

  • Impulsgeber für Veränderungen: Abbau von Diskriminierung in Institutionen und Strukturen

Ausgehend von der Arbeit in konkreten Einzelfällen gibt Antidiskriminierungsberatung Impulse für institutionelle und strukturelle Veränderungen. Diskriminierende Praxen werden sichtbar gemacht und thematisiert, Sensibilisierungs- und Veränderungsprozesse in Unternehmen, Organisationen  und Verwaltungen begleitet. 

  • Fachstelle für Diskriminierung: Sensibilisierung der Regelstrukturen und zentraler Knoten in Verweisnetzwerken

Diskriminierung und Diskriminierungserfahrungen sind ein fachliches Querschnittsthema der Sozialen Arbeit. Antidiskriminierungsberatung trägt die fachliche Expertise in die Beratungsangebote der Kinder- und Jugendhilfe, vernetzt und übernimmt die themen-spezifische Beratungsarbeit.

 

Vier Beispiele aus der Antidiskriminierungsberatung

  1. Selektive Mieterhöhung für Migrant_innen

    In einem Wohnkomplex wurde bei den wenigen Familien mit Migrationshintergrund die Miete erhöht, während sie bei allen mehrheitsdeutschen Mieter_innen gleich blieb. Die betroffenen Familien suchten Unterstützung bei einer Antidiskriminier-ungsberatungsstelle. Gemeinsam sicherten sie Beweise und legten Beschwerden ein. Diese zeigten leider nicht die gewünschte Wirkung. Deshalb entschieden sich die Betroffenen zu einer Klage und wehrten sich erfolgreich. In der Entscheidungs-findung und während des Prozesses wurden sie kontinuierlich von der Beratungsstelle begleitet.

  2. Ethnisierende Zuschreibungen im Bewerbungsgespräch

    M. war zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Immer wieder bezogen sich die Interviewer_innen im Gespräch auf ihre und die Herkunft ihrer Eltern. Zugleich führten sie inhaltliche Positionen M’s mehrfach auf ihren Migrationshintergrund und ihre „kulturelle Herkunft“ zurück. M. fand dieses Verhalten unan-gemessen. Sie fühlte sich zunehmend unwohl und als Person und Fachfrau nicht gesehen. Das drückte sie in dem Gespräch auch aus. Als unmittelbares Feedback bekam sie gesagt, dass sie lockerer und weniger defensiv sein solle. 

    Diese Erfahrung beschäftigte M. über Wochen. Sie suchte Unterstützung in einer Antidiskriminierungsberatungsstelle, um für sich zu klären und zu benennen, was in diesem Bewerbungsgespräch passiert ist. Anschließend führte sie eine schriftliche Auseinandersetzung mit dem Unternehmen. Auch dabei wurde sie von der Beratungsstelle begleitet.

  3. Rassistische Einlasskontrollen

    An der Diskotür war für H. der Abend oftmals zu Ende während seine mehrheitsdeutschen Freunde in die Clubs kamen. Zusammen mit einer Antidiskriminierungsberatungsstelle führte er ein Testing durch, das die strukturelle Dimension der Diskriminierung sichtbar macht: 7 von 13 getesteten Diskotheken führten rassistische Einlasskontrollen durch. In der Folge entwickelte die Beratungsstelle ein Konzept für diskriminierungsfreie Einlasskontrollen und erprobte es mit veränderungsbereiten Clubs. Darüber hinaus unterstützte sie Betroffene dabei, Klage gegen Clubs zu führen, die zu keiner Veränderung bereit waren.

  4. Stärkung von Regelstrukturen im Umgang mit Diskriminierung

    Regelmäßig werden Berater_innen in der Migrationsberatung mit Diskriminierung konfrontiert: entweder weil Klient_innen sie thematisieren, aber auch wenn sie im Auftrag der Klient_innen selbst aktiv werden (z.B. bei Behördenangelegenheiten). Gleichzeitig sind die eigenen Handlungsmöglichkeiten begrenzt: der Beratungsauftrag hat einen anderen Schwerpunkt (z.B. bei Antragstellung unter-stützen, um den Aufenthalt zu sichern), es fehlt an Ressourcen (pro Diskriminierungsfall durchschnittlich 15 Stunden) und den spezifischen Kompetenzen (v.a. bezüglich Interventionen) und es kann zu Interessenkonflikte kommen (möglichst konfliktfreie Beziehung zu Sachbearbeiter_innen für eigene Arbeit wichtig).

    Das sind die Ergebnisse der Interviewstudie des ADB Sachsen. Daraus entwickelt sie ein Sensibilisierungs- und Schulungsprogramm, um die Handlungskompetenzen zu stärken und Verweisstrukturen aufzubauen.
Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerk

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